Wer ist Lea Rosh?
Lea Rosh gehört zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Persönlichkeiten des deutschen Journalismus der Nachkriegszeit. Sie wurde am 1. Oktober 1936 in Berlin geboren und prägte über Jahrzehnte hinweg die politische Berichterstattung im deutschen Fernsehen. Bekannt wurde sie nicht nur als Fernsehjournalistin und Moderatorin, sondern vor allem durch ihr leidenschaftliches Engagement für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
Ihr Name ist untrennbar mit dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas verbunden, dessen Realisierung sie maßgeblich vorantrieb. Gleichzeitig steht Lea Rosh wie kaum eine andere Figur für öffentliche Kontroversen, persönliche Angriffe und hitzige gesellschaftliche Debatten.
Lea Rosh Herkunft und frühe Jahre
Lea Rosh wurde als Edith Renate Ursula Rosh in eine bürgerliche Berliner Familie geboren. Sie wuchs mit mehreren Geschwistern in der Nachkriegszeit auf – einer Zeit, die Deutschland Politisch, moralisch und gesellschaftlich tief erschütterte. Diese frühen Erfahrungen prägten ihr späteres journalistisches und politisches Denken nachhaltig.
Nach dem Abitur studierte sie Geschichte, Soziologie und Publizistik. Schon früh zeigte sich ihr Interesse an politischen Themen, Machtstrukturen und gesellschaftlicher Verantwortung. Der Journalismus bot ihr genau das Feld, auf dem sie diese Interessen öffentlich machen konnte.
Karriere als Journalistin und Fernsehpersönlichkeit
Lea Rosh begann ihre journalistische Laufbahn beim Rundfunk und arbeitete unter anderem für den RIAS, den Sender Freies Berlin, das ZDF und den NDR. Große Bekanntheit erlangte sie in den 1970er- und 1980er-Jahren durch politische Magazine und Talkshows.
Besonders prägend war ihre Rolle als erste Moderatorin der politischen Sendung „Kennzeichen D“ sowie ihre Auftritte bei Talkformaten wie III nach 9. Rosh galt als hartnäckig, direkt und furchtlos im Umgang mit Politikern – Eigenschaften, die ihr sowohl Anerkennung als auch Kritik einbrachten.
In den frühen 1990er-Jahren schrieb sie Mediengeschichte, als sie Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hannover wurde. Damit gehörte sie zu den ersten Frauen in einer solchen Führungsposition im deutschen Rundfunk.
Lea Rosh jung – Stil, Auftreten und Wirkung
In jungen Jahren war Lea Rosh für ihre markante Erscheinung und ihr selbstbewusstes Auftreten bekannt. Sie wirkte provokant, modern und unangepasst – Eigenschaften, die in der damaligen Medienlandschaft eher ungewöhnlich waren, insbesondere für Frauen.
Ihr journalistischer Stil war konfrontativ: Sie stellte unbequeme Fragen, ließ sich nicht einschüchtern und war bereit, Konflikte öffentlich auszutragen. Genau dieses Auftreten machte sie für viele Zuschauer glaubwürdig, für andere wiederum polarisierend.
Engagement für das Holocaust-Denkmal
Das wohl wichtigste Kapitel im Leben von Lea Rosh begann Ende der 1980er-Jahre. Gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Jäckel initiierte sie die Idee eines zentralen Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin.
Über mehr als 15 Jahre kämpfte sie politisch, medial und gesellschaftlich für dieses Projekt. Widerstände kamen aus allen Richtungen: aus der Politik, aus der Kunstszene und auch aus jüdischen Gemeinden. Dennoch setzte sie sich mit großer Hartnäckigkeit durch.
2005 wurde das Denkmal schließlich eröffnet. Heute gilt es als eines der wichtigsten Mahnmale Europas und als zentraler Ort des Gedenkens in Deutschland.
Lea Rosh Kritik – eine umstrittene Persönlichkeit
Kaum eine deutsche Journalistin wurde so häufig und so heftig kritisiert wie Lea Rosh. Ihre Kritiker werfen ihr vor, sich zu stark in den Vordergrund zu stellen und moralische Deutungshoheit zu beanspruchen.
Ein zentraler Kritikpunkt war die Namensänderung: Aus Edith wurde Lea. Gegner sahen darin den Versuch, sich symbolisch jüdisch zu positionieren, obwohl sie keine jüdische Herkunft hat. Diese Debatte führte zu jahrelangen Auseinandersetzungen in Medien und Öffentlichkeit.
Auch ihr kompromissloser Führungsstil und ihr Umgang mit Kritikern wurden oft als autoritär beschrieben. Befürworter hingegen sehen in ihr eine Frau, die in einer von Männern dominierten Medienwelt konsequent ihren Weg ging.
Der sogenannte „Lea-Rosh-Zahn“-Skandal
Besonders bekannt wurde ein Vorfall, der bis heute als „Zahn-Affäre“ bezeichnet wird. Lea Rosh hatte bei Recherchen einen menschlichen Zahn aus einem ehemaligen Vernichtungslager aufbewahrt und öffentlich darüber nachgedacht, diesen symbolisch in das Holocaust-Denkmal zu integrieren.
Die Reaktionen waren massiv: Jüdische Organisationen, Historiker und Politiker kritisierten dieses Vorhaben scharf. Der Vorwurf lautete Pietätlosigkeit. Rosh zog sich schließlich von der Idee zurück, doch der Schaden für ihr öffentliches Image war erheblich.
Lea Rosh Ehemann und Kinder
Lea Rosh war mit dem Architekten und Bauunternehmer Jakob Schulze-Rohr verheiratet. Die Ehe bestand mehrere Jahrzehnte bis zu seinem Tod im Jahr 2008.
Das Paar hatte keine Kinder. In Interviews betonte Lea Rosh mehrfach, dass ihr berufliches und gesellschaftliches Engagement stets einen zentralen Platz in ihrem Leben einnahm.
Lea Rosh Alter und Leben heute
Geboren 1936, ist Lea Rosh heute 89 Jahre alt (Stand 2025). Trotz ihres hohen Alters ist sie weiterhin geistig präsent und gesellschaftlich interessiert.
Sie lebt heute in Berlin, wo sie regelmäßig an kulturellen und politischen Veranstaltungen teilnimmt, Essays veröffentlicht und Diskussionsrunden organisiert. Ihr sogenannter „Salon Lea Rosh“ ist bis heute ein Ort für kontroverse Debatten.
Lea Rosh 2024 – aktuelle Bedeutung
Auch im Jahr 2024 blieb Lea Rosh eine öffentliche Figur. Sie äußerte sich weiterhin zu Themen wie Erinnerungskultur, Antisemitismus, Demokratie und deutscher Verantwortung.
Zwar tritt sie nicht mehr regelmäßig im Fernsehen auf, doch ihre Stimme hat weiterhin Gewicht – insbesondere in Debatten rund um Geschichte und Moral. Für viele jüngere Generationen ist sie eine Symbolfigur der politischen Mediengeschichte der Bundesrepublik.
Lea Rosh Wikipedia und öffentliche Wahrnehmung
Auf Wikipedia wird Lea Rosh ausführlich beschrieben – mit all ihren Erfolgen, Konflikten und Kontroversen. Ihr Leben steht exemplarisch für die Spannungen zwischen Journalismus, Moral, Politik und persönlichem Engagement in Deutschland.
Sie polarisiert bis heute: Für die einen ist sie eine mutige Mahnerin, für die anderen eine selbstinszenierende Figur. Unbestritten ist jedoch ihr Einfluss auf Medien und Erinnerungskultur.
Fazit: Eine streitbare, aber prägende Persönlichkeit
Lea Rosh ist keine einfache Figur – und will es auch nicht sein. Sie steht für unbequeme Fragen, moralische Debatten und gesellschaftliche Verantwortung. Ohne ihren Einsatz gäbe es das Holocaust-Denkmal in seiner heutigen Form vermutlich nicht.
Gleichzeitig zeigen die zahlreichen Kontroversen, wie schwierig der Umgang mit Geschichte und öffentlicher Moral sein kann. Gerade deshalb bleibt Lea Rosh eine der interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Zeitgeschichte – ein Thema, das auch auf Tages Zeitschriften immer wieder Raum für Diskussion und Einordnung findet.
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